GTS in neuer Form

Wissenschaftliche Begleitung der rheinlandpfälzischen Ganztagsschule in neuer Form: Die Entwicklung der Ganztagsschulkonzeption und ihre Umsetzung an den einzelnen Schulen

Zu Beginn des Schuljahres 2002/03 wurde erstmals in 81 rheinland-pfälzischen Schulen eine „Ganztagsschule in Neuer Form” (GTS i.n.F.) eingerichtet. Schulen, die sich um die Aufnahme in diese Gruppe bewarben, konnten ihr Konzept für ein Ganztagsschulangebot innerhalb eines vom Bildungsministerium inhaltlich vorgegebenen Rahmens eigenständig als Element innovativer Schulprofilbildung entwickeln. Über die schul- und sozialpädagogischen Elemente der Ganztagsschule als Chance zur Schulentwicklung hinaus stellt die GTS i.n.F. eine bildungspolitische Antwort auf veränderte Sozialisationsbedingungen sowie auf sich daraus ergebende neue Anforderungen an die Lern- und Schulkultur dar.
Im Rahmen eines dualen Projektdesigns in Form von zwei Teilprojekten hat sich die Wissenschaftliche Begleitung dem Reformprozess der Errichtung der Ganztagsschulangebote i.n.F. aus unterschiedlichen analytischen Perspektiven und mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen angenähert:
Im Rahmen einer Fragebogenstudie wurde, dem Ansatz einer externen Evaluation folgend, an 24 Schulen mit standardisierten quantitativen Instrumenten ein Monitoring des Innovationsprozesses durchgeführt. Dadurch wurden im statistischen Sinne repräsentative Aussagen über Entwicklungsverläufe über die Häufung typischer Problemkonstellationen bei der Planung und Realisierung des Angebots sowie dessen Akzeptanz bei den Akteuren erhoben.
Die standardisierte Erhebung wurde kombiniert mit einer prozessbegleitenden Schulforschung mit Fallrekonstruktionen an vier Einzelschulen. Diese Form fallorientierter Praxisforschung ermöglichte eine mikrologische Analyse des Zusammenwirkens verschiedener inner- und außerschulsicher Faktoren bei der Entwicklung und Umsetzung des Ganztagsschulangebots i.n.F. Zusätzlich konnte die WB zum Gelingen der Schulentwicklungsprozesse vor Ort beitragen, indem die Beteiligten durch systematische Rückkopplung der Ergebnisse der WB an die Akteure vor Ort prozessbegleitend unterstützt wurden.
Über Kontrastierungsprozesse konnte verallgemeinerbares Wissen für andere Schulen gewonnen werden, die sich auf den Weg zur GTS i.n.F. machen.
Im Prozess der Erkenntnisgewinnung blieben die beiden Projektteile eng verschränkt, indem Forschungsprozess und Teilergebnisse jeweils aufeinander bezogen und integrativ verarbeitet wurden. Über die Kopplung quantitativer und qualitativer Komponenten war es zum einen möglich, die Komplexität des Forschungsgegenstandes zu erfassen und gleichzeitig eine empirische Generalisierung leisten zu können.

Forschungsgruppe Ganztagsschule in neuer Form:
Dr. T. Badawia, Dipl.-Päd. K. Graf, Dr. G. Heck, Dipl.-Päd. T.-S. Idel, Dr. M. Kamp, K. Kunze, Dipl.-Päd. M.-T. Münch
Projektleitung: Prof. Dr. F.-U. Kolbe

Förderer: Ministerium für Bildung, Frauen, Jugend Rheinland-Pfalz

Publikationen bislang

  • "Zwischenbericht zur wiss. Begleitung der Ganztagsschule i.n.F. in Rheinland-Pfalz. Die Entwicklung der Ganztagsschulkonzeption und ihre Umsetzung an der einzelnen Schule. Mainz, August 2003" - Publ. in Vorbereitung
  • Kolbe, F.-U./ Idel, S./ Kunze, K. 2004: Wissenschaftliche Begleitung der Ganztagsschule in neuer Form in Rheinland-Pfalz. In: Klieme, E. (Hg.): Ganztagsangebote in der Schule. Internationale Erfahrungen und empirische Forschungen. Ergebnisse einer Fachtagung. Bonn, Berlin 2005.
  • Kolbe, F.-U.: Schulentwicklungsforschung als Prozessforschung. Ein Beitrag zur rekonstruktiven empirischen Bildungsforschung am Beispiel der Einführung ganztägiger Schulangebote. In: Sozialer Sinn. Zeitschrift für hermeneutische Sozialforschung 5(2004)3, S.477-505.